Telefon: 08395 93 69 380

Poetry-Slam

Das war der 3. Erolzheimer Poetry-Slam

Wit­zig, ernst, me­lan­cho­lisch - Wortpoeten punkten in Erolzheim mit ganz unterschiedlichen Texten


Erolzheim - Der dritte Poetry-Slam in Erolzheim hat der Diasporakirche am Samstagabend ein volles Haus beschert. Veranstaltet wurde der dichterische Wettstreit zwischen acht Poeten vom Erolzheimer Kulturausschuss und der evangelischen Kirchengemeinde Erolzheim-Rot.

Beim Poetry-Slam, so erklärte Moderator Marvin Suckut den rund 150 Zuschauern, dürfen nur Texte vorgetragen werden, die der eigenen Feder entstammen. "Was den Inhalt betrifft, so ist alles erlaubt, was ansatzweise mit Literatur zu tun hat." Kostümierungen und andere Hilfsmittel sind verboten, die Slammer müssen sich in den sieben Minuten Redezeit allein auf ihre Stimme und ihr Textblatt verlassen. Bewertet werden die Teilnehmer von einer freiwilligen Jury aus dem Publikum, ehe im Finale alle Zuschauer gemeinsam den Sieger küren. "Die Eins steht für einen Text, der niemals hätte geschrieben werden sollen", legt Suckut die Bewertungsmaßstäbe mit einem Lächeln fest. "Und die Zehn für einen Text, den ihr euch am liebsten auf die nackte Haut tätowieren lassen würdet."

Den ersten Text, den es an diesem Abend zu hören gibt, stammt von ihm selbst und wird traditionell "Opferlamm" genannt, um das Publikum auf die bevorstehenden Redner einzustimmen. Er befindet sich deshalb außerhalb der Wertung. Welche Punktzahl der Moderator am Ende jedoch bekommen hätte, wäre sehr interessant gewesen, denn Suckut überzeugt mit einem humorvoll autobiografischen Text über seinen turbulenten Umzug in eine Konstanzer Altbauwohnung. Umzugsprobleme sind etwas, das die nachfolgende Slammerin Tiki kennt. Ursprünglich aus New York stammend, ist sie mittlerweile nach Schwaben gezogen und hat den heimischen Dialekt bereits bestens parat: "Ist euch bestimmt lieber, wenn ich anstatt Englisch lieber Schwäbisch schwätze!" Ihren sinnlichen Text voller zweideutiger Anspielungen über ihre Liebe zu Schokolade absolviert sie allerdings in fast perfektem Hochdeutsch, 16 Punkte gab's dafür.

Sprache zum Thema gemacht

Sprache war unter anderem ein Thema, mit dem sich auch der Poet Thomas Schmidt aus Schwabach wort- und geistreich auseinandersetzt. Unterhaltsam beschrieben, lässt er die Zuschauer an seinem Joballtag als Lehrer teilhaben, bei dem er ebenso wie seine Kollegen unter Zugzwang steht, sich möglichst an die heutige Jugend anzupassen. Für seine Leistung erhält er 24 Punkte. Dass sich die jugendlichen Interessen allerdings nicht nur um Smartphones und um's "Cool-Sein" drehen, beweist der mit 13,5 Punkten bewertete junge lokale Künstler "Last Poet" mit einem unkonventionellen Auftritt als Rapper.

Träume, Glück, aber auch die Schönheit der ländlichen Umgebung sind immer wiederkehrende Motive in seiner Lobeshymne an den Rap und das literarische Reimen und Schreiben. Strengere, regelrecht wütende Kritik an den sozialen Medien und der Vernachlässigung sozialer Kontakte übt dagegen Slammer Flo Langbein aus Bamberg. Laut, wild und mit teilweise harter Wortwahl plädiert er in seinem Text "Regen" für mehr echte menschliche Nähe und soziale Gerechtigkeit. Mit stolzen 26,5 Punkten belohnt ihn das Publikum schließlich für seinen eindrücklichen Auftritt. Sein Nachfolger Peter Parkster geht es dagegen weniger politisch an und wechselt wieder in die humoristischen Gewässer: Mit sanfter Vorlesestimme berichtet der Nürnberger von einer schicksalhaften Begegnung mit einer fremden Frau und ihrem gemeinsamen One-Night-Stand. Wie es dazu kam, beschreibt er in einer Rückblende derartig spaßig und trickreich, dass ihn die Jury mit 24 Punkten belohnte. 26 Punkte hat sich wiederum der Esslinger Marius Loy verdient, dem es mit seinem Text "An Gretchen" beeindruckend kunstfertig und präsenzstark gelang, Liebe und Religion zu thematisieren. Die Letzte der Kandidaten, Lisa Paul aus Tübingen, appellierte zu guter Letzt eindringlich gegen den Hass, den Menschen in sich tragen und bekommt für die schöne Darstellung 21,5 Punkte.

Im Finale treten schließlich die vier Künstler gegeneinander an, die das Publikum am meisten überzeugen konnten: Peter Parkster, Thomas Schmidt, Flo Langbein und Marius Loy. Verdient geht der erste Platz am Ende an Schmidt, dem es mit einem witzigen und dennoch ernsten Text über Flüchtlinge und deren gesellschaftlichen Zwang, Deutsch zu lernen gelingt, die Zuschauer zu überzeugen. Seinen Sieg habe er nicht erwartet, sagt er, zumal er zum ersten Mal hier sei. Ob er nach seinem Erfolg nächstes Jahr nochmal herkommen wird? Schmidt antwortet: "Ich finde die Location und die Atmosphäre hier total super. Ja, nächstes Jahr würde ich gerne noch einmal kommen." Auch Zuschauer Uwe Kaltenthaler aus Rot an der Rot hat vor, beim nächsten Poetry Slam dabei zu sein. Er lobt die Qualität der Auftritte und das Engagement der Kirche, den Dichterwettstreit öffentlich zu machen. "Als Highlight empfand ich den Rapper", meint der 70-Jährige mit einem Schmunzeln. "Ich fand es auch gut, dass die Themen so aktuell waren." Dem schließen sich Lea Borner und Sharin Tews aus Gutenzell an: "Wir fanden vor allem die politischen Themen interessant und dass viele Slammer ihre Gesellschaftskritik in humorvollen Beiträgen versteckt haben." Für die beiden 16-Jährigen, die zum ersten Mal dabei sind, steht jedenfalls fest: "Ob wir nächstes Jahr auch kommen? Ja natürlich, unbedingt!"

Von Linda Leinecker 29. February 2016, © Schwäbische Zeitung - 29.02.2016

Anmeldeformular zum 4. Erolzheimer Poetry-Slam 2017

Regeln

Poetry-Slam = [ˈpoʊətrislæm].

Herkunft: aus dem Englischen: poetry = [Vers]dichtung und slam = Wettstreit

Bei einem Poetry-Slam hat jeder Teilnehmer 7 Minuten Zeit, um mit seinen selbstgeschriebenen Texten den Saal zum Toben zu bringen. Und egal ob Ballade, Rap oder Kurzgeschichte, ob Reim, Prosa – alles ist erlaubt, was ohne den Einsatz von Hilfsmitteln wie Musik, Requisiten und Kostüm zum Besten gegeben wird. Zum Schluss entscheidet eine Publikums-Jury über den Sieger des Abends. Melde Dich an und probier es einfach aus. Wenn Du nähere Infos benötigst, schreib an matthias.stroehle@elkw.de oder ruf an: 08395 -9369380.

Für Kurzentschlossene liegt am Abend eine Teilnehmerliste aus.


Wem das Warten auf den nächsten Erolzheimer Poetry-Slam zu lange dauert.

Am20. Oktober gibt es wieder große Wortkunst im Biberacher Museum!


Adresse des Pfarramts

Pfarrerin Dorothee Sauer
Pfarrer Matthias Ströhle
Höhenweg 14
88430 Rot an der Rot
08395 93 69 380
pfarramt.erolzheim-rot@elkw.de

Kontakt

Bankverbindung

Ev. Kirchengemeinde Erolzheim-Rot
IBAN:DE87 6549 1320 0081 4230 04
BIC: GENODES1VBL (Raiba Laupheim-Illertal)

Suche


Soziale Netzwerke