Telefon: 08395 93 69 380

Andachten

Pi im Kopf

(Andacht vom 12. März 2016 in der Schwäbischen Zeitung)

Wussten Sie es? In zwei Tagen feiern wir den Welt-Pi-Tag. Ja, Sie haben richtig gelesen, die Kreiszahl Pi hat ihren eigenen Feiertag. Es ist der 14. März, der nach amerikanischer Datumsschreibweise 3.14 geschrieben wird. Zelebriert wird dieser Tag zum Beispiel mit dem genüsslichen Verspeisen eines Apple Pi’s, und dies am besten genau um 1:59, den nächsten Nachkommastellen von Pi (3.14159). Das ist für die arbeitende Bevölkerung ganz praktisch, da um diese Zeit sowieso die Mittagspause beginnt.

Nun fragen Sie sich sicherlich, was hat der Pi-Tag mit dem geistlichen Wort zu tun? Um ehrlich zu sein nichts. Oder doch?

Feierlichkeiten hin oder her, Pi ist für mich auch theologisch eine Zahl mit besonderer Ausstrahlung. Auch wenn wir ständig mit ihr rechnen, ist sie dennoch unendlich, durch keinen Bruch teilbar und durch keine algebraische Gleichung darstellbar. Sie ist für mich somit ein Symbol für die Unendlichkeit Gottes in der Endlichkeit der Welt. Und mehr noch, sie zeigt mir die Fähigkeiten und Grenzen meines Verstandes. In der Schule habe ich versucht die Zahl auswendig zu lernen, ich bin nicht über 20 Stellen hinausgekommen. Hochleistungscomputer sind heute bei der einmillionsten Nachkommastelle angekommen und doch werden sie das Ende nie errechnen können. Unser Verstand kann sich der Unendlichkeit annehmen und wird doch nie an ihr Ende gelangen. Oder anders gesagt, trotz der Kreiszahl Pi, die Quadratur des Kreises ist unmöglich, Pi hin oder her.

Doch nun genug der Zahlenspielerei. „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann“, hat einmal ein Kirchengemeinderat nach einer langen, kontroversen Diskussion zu mir gesagt. Es war der Durchbruch zum Finden einer gemeinsamen Lösung im Gremium. Auch dafür steht für mich die Kreiszahl, dass Gott uns nicht auf dem einmal Gesagten behaftet. Wir dürfen uns Fehler eingestehen und haben die Möglichkeit eines Neuanfangs, wenn wir erkannt haben, dass wir uns verrannt haben.

Im Grunde ist dies auch der Inhalt der Passionszeit: „Umkehr ist möglich“. Weil Gott in Jesus Christus zu uns gekommen ist, weil er stellvertretend unsere Schuld am Kreuz auf sich genommen hat, dürfen wir neu anfangen. Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.

Es ist der Wochenspruch für die kommende Woche, der hierzu sehr gut passt (Mt 20,28): „Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Übertragen bedeutet dieser Vers, Gott hat durch sein Kommen in die Welt die linearen Machtverhältnisse zwischen Herrscher und Diener in den Kreis gebracht. Es gibt kein Oben und Unten mehr, kein Herrschen und Beherrschtwerden. So sorgt Gott für eine neue Gemeinschaft, eine Gemeinschaft auf Augenhöhe. An diese Gemeinschaft denke ich, wenn ich am 14.3. schmunzelnd einen Apfelkuchen esse.

Matthias Ströhle

#
Adresse des Pfarramts

Pfarrerin Dorothee Sauer
Pfarrer Matthias Ströhle
Höhenweg 14
88430 Rot an der Rot
08395 93 69 380
pfarramt.erolzheim-rot@elkw.de

Kontakt

Bankverbindung

Ev. Kirchengemeinde Erolzheim-Rot
IBAN:DE87 6549 1320 0081 4230 04
BIC: GENODES1VBL (Raiba Laupheim-Illertal)

Suche


Soziale Netzwerke