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Die Geschichte der Kirchengemeinde in Rot

Die Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde in Rot

Eine kleine Gemeinde und eine stolze Kirche

Dieser Bericht über die Geschichte der Kirchengemeinde Rot an der Rot wurde veröffentlicht im Zusammenhang mit dem 40jährigen Bestehen der Christuskirche in Rot

„Eine Diasporagemeinde hat keine so stolze Geschichte wie etwa eine reichsstädtische Gemeinde, die seit den Zeiten der Reformation an einer reichen evangelischen Tradition festgehalten hat. Ihre Anfänge sind klein und still, ihre äußere Entwicklung ist mancherlei Schwankungen unterworfen. Sie hat wenig äußere Sicherungen und kann nicht von dem zehren, was die Väter erworben haben. Sie ist wie das Körnlein ausgesät in den weiten Acker, dass sie wachse, nicht verdorre, sich entfalte, nicht erstickt werde. So ist die kleine Diasporagemeinde ein Abbild der Christenheit, zu deren unvergleichbarem Wesen es gehört, dass sie „Aussaat“ ist, eine Saat auf Hoffnung, hingeworfen in den Acker der Welt.“

Mit diesen Worten eröffnet Hans Leonhardt, von 1930-1967 Pfarrer der evangelischen Pfarrei Ochsenhausen, zu der damals auch die Illertalgemeinden gehörten, seinen vermutlich in den 60er Jahren verfassten Gemeindebericht.

Es ist wahr, die Diasporagemeinden in Oberschwaben sind noch eine Saat im Aufgehen. Und dennoch blicken Sie bereits auf eine spannende Geschichte zurück.

Die Anfänge

Die Geschichte der evangelischen Gemeinde in Rot beginnt mit der Säkularisation der Klöster zu Beginn des 19. Jahrhunderts. 1803 übernahm Graf Ludwig von Wartemberg die Besitzungen des Klosters. Er bekannte sich zum evangelischen Glauben. In seinem Gefolge begannen sich erste protestantische Gläubige aus dem Unterland in der Raumschaft anzusiedeln. Hauptsächlich waren dies staatliche und herrschaftliche Beamte, Angestellte, Gewerbetreibende und ländliche Dienstboten. Diese besuchten zunächst die Gottesdienste in Steinheim. Da es aber, so schreibt der Chronist der Roter Pfarrchronik , „für die Herren Beamten und die übrige Dienerschaft des Herren Grafen von Wartemberg Roth zu beschwerlich war, in das jenseits der Iller gelegene evangelische Pfarrdorf Steinheim in die Kirche zu gehen, bestellten sie den damaligen Pfarrer nach Roth, um wenigsten ein paar Mal des Monats daselbst Gottesdienst zu halten.“ Der erste protestantische Gottesdienst, solange Roth steht, wurde am 1. April 1805 im damaligen Speisezimmer des Klosters gehalten. Später ging die Versorgung der Gemeindeglieder dann an die evangelische Kirchengemeinde in Biberach über. Um 1840 lebten ca. 30 Evangelische in Rot. Einer der Biberacher Stadtpfarrer kam jährlich ein- bis zweimal nach Ochsenhausen, um für die Gemeindeglieder einen Gottesdienst mit Abendmahl zu halten. Damit auch in Rot Gottesdienste abgehalten werden konnten, wurde der Gemeinde im März 1881 vom Grafen Erbach ein Betsaal innerhalb des Klosters zur Verfügung gestellt. Der Graf hat persönlich dafür Sorge getragen, dass die Nutzungsrechte des Raumes auch nach der Übertragung des Klosters an die württembergische Landsiedlung im Jahre 1934 in Händen der Kirchengemeinde blieben.

Neben dem Kloster verkaufte der Graf in den 30er Jahren auch viele seiner Landgüter und Häuser an die Landsiedlung. Durch den Weiterverkauf der Ländereien und Gebäuden, wie z.B. Teile der Ökonomie, kamen evangelische Bauern aus dem Unterland nach Oberschwaben. So entstand auch die Siedlung Boschen.

Doch nochmals zurück ins 19. Jahrhundert. 1849 wurde Ochsenhausen zur ständigen Pfarrverweserei ernannt. Im Jahre 1897 wurde diese dann zur eigenständigen evangelischen Pfarrei. Rot an der Rot wurde zur Filialgemeinde von Ochsenhausen. Der Umfang der neugegründeten Pfarrei war riesig. Neben den bürgerlichen Gemeinden, die auf dem Gebiet der heutigen Gesamtkirchengemeinde Rottum/Rot/Iller liegen, erstreckte sie sich bis nach Hauerz im Süden. Zur Fillialgemeinde Rot gehörten die Orte Rot, Berkheim, Ellwangen, Erolzheim, Haslach, Hauerz, Kirchdorf, Oberopfingen und Spindelwag. Für diese fanden jährlich 30 Gottesdienste im Betsaal der Gemeinde in Rot statt.

Zu dieser Zeit entstand auch die evangelische Konfessionsschule in Rot, welche ihre Räume im Rathaus der Gemeinde hatte. Sie wurde im Jahre 1936 mit der Einführung der deutschen Volksschule geschlossen.

Die Nachkriegszeit

Die Nachkriegszeit war für die Roter Kirchengemeinde äußerst wechselhaft. 1950 wurde für Rot eine Vikarstelle genehmigt. Der erste Vikar war Hans Martin Schott. Im folgten innerhalb von wenigen Jahren sechs weitere Vikare und Pfarrvertreter. Diese hatten zunächst ihren Wohnsitz in der Ökonomie in Rot an der Rot, doch schon kurze Zeit später wurde der Wohnsitz in die Kirchengemeinde Erolzheim verlegt, da dort die Bartningkirche gebaut werden sollte.

Eine weitere Veränderung war auch der Wiedereinzug einer kleinen Ordenskongregation im Jahr 1949 ins Roter Kloster. Erstmals tauchte in diesem Zusammenhang auch Überlegungen auf, in Rot eine eigene Kirche zu erstellen. So schrieb Vikar Hermann an seinen Nachfolger unter der Überschrift „Recht auf Benützung des Saals im Kloster Rot“:

„Das Kloster ist an einer Ablösung des Rechts auf Benützung des Betsaals interessiert, da sie dort eine außerhalb der Klausur gelegene Kapelle einrichten wollen. Ich habe unter Hinweis auf die mehr als 70jährige Tradition des dortigen Gottesdienstes dem Kloster erklärt, dass wir an eine solche Ablösung nur denken, wenn sie auch für uns einen Fortschritt bedeutet, und das heiß: eine eigene Kirche auf eigenem Grund und Boden. Eventl. könnte dabei die Gemeinde zur Ablösung des umstrittenen Bekenntnisschulrechts zur Hergabe eines entsprechenden Bauplatzes bewogen werden. Der Pater Prior hat seinerzeit erklärt, dass sie in einem solchen Fall „nicht mehr als den Rohbau“ stellen könnten. Der Betsaalfonds der Roter Kirchenpflege ist daher nach Möglichkeit zu fördern durch entsprechende jährliche Zuwendung von Haushaltsmitteln.“

Weitere 10 Jahre war dann allerdings Ruhe. Die Kirchengemeinderäte befassten sich mit dem 10 jährigen Jubiläum der Diasporakirche, und die Chorherren verließen St. Verena, um 1959 dem Jugendhaus St. Norbert Platz zu machen. Im Dez. 1962 wurden noch Umbaumaßnahmen im Roter Betsaal vorgenommen, die auf keinerlei Veränderungen schließen lassen.

Entscheidungen zum Bau

Im Kirchenboten der damaligen Kirchengemeinde Erolzheim-Rot findet sich dann ein interessanter Aufruf (Februar/März 1965)

„Das geht die Roter an: Gemeindeversammlung am Sonntag 7. II. um 9.30 Uhr. „Sollen wir unser Benutzungsrecht auf unseren Kirchsaal im Jugendheim St. Norbert aufgeben, um statt dessen eine eigene evangelische Kirche in Rot an der Rot zu erhalten?“

Vorausgegangen waren längere Verhandlungen mit der Diözese Rottenburg über die Ablösung des Betsaales. Die Gemeindeversammlung hat den Vorschlag wohl positiv aufgenommen. Denn noch im gleichen Quartal wurde mit der Suche nach einem geeigneten Bauplatz begonnen.

Der Bau

Im November 1965 konnte mit der bürgerlichen Gemeinde Rot der Kaufvertrag über die für den Kirchenbau benötigte Teilfläche der gemeindeeigenen Wiese bei der sog. Neuen Schule abgeschlossen werden. Zusammen standen der Gemeinde 24 ar Bauland zur Verfügung. Als ausführender Architekt wurde Herr Folker Mayer aus Ulm beauftragt. Dieser legte im März 1966 erste Entwürfe vor, die einhellig genehmigt wurden. Es sollte ausdrücklich eine Kirche mit Turm und angeschlossenem Jugendraum werden. Noch im selben Jahr war Baubeginn.

Im Dezember wird das Grundstück eingezäunt und abgeschoben. Im Januar 1967 beginnt die Firma Kohler mit dem Bau der Grundmauern.

Am 1. Mai 1967 wird Richtfest gefeiert. Dekan Dieterich aus Biberach hielt die Festansprache. Im November des gleichen Jahres wird der Außenputz angebracht. Die Einweihung sollte zunächst im Februar des Jahres 1968 stattfinden, musste dann aber auf Ostermontag, 15. April 1968, verschoben werden. Ohne die vielen Spenderinnen und Spender hätte die Kirche nicht gebaut werden können. Die Einweihung der Kirche fand am 15. April 1968 statt.

Die Geschichte der Gemeinde in Rot von 1968 bis heute

In den 70er und 80er Jahren wurde die Kirchengemeinde Kirchdorf immer bedeutender, nachdem das dortige Gemeindehaus fertig gestellt war. 1990 wurden beide Kirchengemeinden zu einer Gesamtkirchengemeinde zusammengeschlossen. Dies änderte sich erst wieder mit der Neugründung der Kirchengemeinde im Jahr 2005.

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Informationen über die bürgerliche Gemeinde in Rot an der Rot gibt es auf der offiziellen Seite der Gemeinde. Rot an der Rot


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Pfarrerin Dorothee Sauer
Pfarrer Matthias Ströhle
Höhenweg 14
88430 Rot an der Rot
08395 93 69 380
pfarramt.erolzheim-rot@elkw.de

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